Bergmann über Bergmann
Meine Eltern lebten als österreichische Staatsbürger in Grulich, Nordostböhmen, das vor dem Ersten Weltkrieg zu Österreich-Ungarn gehörte. Nach dem ersten Weltkrieg wurde die Tschechoslowakische Republik geschaffen. Ich wurde 1921 in Grulich in Böhmen geboren und wurde damit tschechoslowakischer Staatsbürger.
Kinder- und Jugendzeit im Adlergebirge Nord- Ost-Böhmen. Blühende Wiesen voller Schmetterlinge, Bäche, gefüllt mit Forellen, Krebsen und Fröschen, die böhmischen Wälder - im Winter alles mit Schnee zugedeckt - das war die Landschaft und die Heimat, die ich in herzlicher und lieber Erinnerung habe. Nach der 8- klassigen Volks- und Bürgerschule lernte ich in der mechanischen Weberei in Grulich weben.
1938 rückten deutsche Truppen in Böhmen und Mähren ein. Nun war ich plötzlich deutscher Staatsbürger. 1939, als der zweite Weltkrieg begann, wurde ich einberufen, 1942 bei Kertsch auf der Krim schwer verwundet und 1943 aus der Wehrmacht entlassen. Die räuberischen und unmenschlichen Ereignisse des Krieges sind es, die ich nicht vergessen kann und die mich bis in unsere Zeit begleiten, obwohl schon 50 Jahre seither vergangen sind. Der Krieg hat mich verändert.
1945 erneut tschechoslowakischer Staatsbürger deutscher Nationalität. 1946 in die sowjetische Besatzungszone Deutschlands ausgesiedelt, wurde ich 1949 Bürger der DDR – und das für 40 Jahre. Seitdem bin ich neuer deutscher Bundesbürger.
(H.B.H aus dem Katalog 1993)
Biografisches
| 24.12.1921 | in Grulich (Kraliky, Tschechoslowakische Republik) geboren
| 1928 -1936 | Volks- und Bürgerschule
| 1937 -1939 | Lehre als Weber
| 1939 -1943 | Militärdienst. 1942 bei Kertsch auf der Krim schwer verwundet. 1943 aus der
Wehrmacht entlassen
| 1943 -1945 | Besuch der Textilfachschule in Reichenberg (jetzt Liberec)
| 1945 | Musterzeichner in Kräliky, in der dortigen Seidenfabrik
| 1946 | Aussiedlung in die sowjetische Besatzungszone Deutschlands
| 1947 -1949 | Studium an der Hochschule für Architektur und bildende Kunst in Weimar bei
Heinz Trökes
| 1947 - 1949 | Studium an der Hochschule für bildende Künste in Dresden bei Fritz Dähn.
| 1950 - 1953 | Meisterschüler an der Akademie der Künste in Berlin bei Heinrich Ehmsen
| 1953 - 1957 | Assistent an der Kunsthochschule Weißensee in Berlin.
| ab 1957 | freischaffend
| 05.03. 2013 | verstorben in Berlin Pankow
Was andere über Bergmann-Hannak gesagt haben ...
Eines Tages schickte mir eine Redaktion ein Farbdia. Ein Hafenbild. Zu dem Gemälde eines mir unbekannten Berliner Malers sollte ich einen Text für die Illustrierte schreiben. Was für Farben! Welch ein Hafen! Im blauen Meer tanzende Schlepper, bananenkrumm und ringelnatzig, an den Längsseiten behängt mit strahlend weißen Autoreifen. Das sind Rettungsringe fürs freundliche Gedränge zwischen den Schaumkämmen.
Eine Zeitlang waren wir Gartennachbarn. Bergmann-Hannak ließ alles wachsen, was da wuchs. Mit seinem damals noch ein wenig rötlichen weißen Bart wirkte er wie ein fröhlicher Gottvater, in dessen Paradies alles nach eigener Fasson wachsen durfte. Solch ein Eden. Das aber missbilligte der Vorstand, ...
Heinz Knobloch
In seinem Alterswerk verarbeitet Bergmann-Hannak seine Erinnerungen an die Schrecken des II. Weltkrieges. Er kann nicht vergessen, was er 1942 in der Sowjetunion sah und erlebte – die Dörfer in Flammen, den Donner todbringender Kanonen, die Schreie der Verwundeten, die Gefallenen auf den Schlachtfeldern.
In seinen Arbeiten hat er eine Armee erschaffen, deren Soldaten aus einem patriotischen Kinderbuch der Kaiserzeit zu stammen scheinen. Er hat sie ausgeliehen und meisterhaft in Karikaturen verwandelt. Den Kriegern hat er knallbunte Paradeuniformen angezogen und sie mit Gewehren und Säbeln bewaffnet. Auf dem Generalsrock als Dank fürs Morden goldenen Orden. Aus dem Kragen ragt der Geierkopf. ...
Hannes Zahn, Berlin 13.11.2003
Eine umfassende Retrospektive des künstlerischen Werks vom 90jährigen Berliner Malers Herbert Bergmann-Hannak war Gegenstand einer Ausstellung in der renommierten Galerie Forum Amalienpark in Pankow.
Unter dem Titel „Ein Welttheater nach eigener Fasson“ wurden ab 4. August 2012 über 100 Arbeiten aus vier Jahrzehnten gezeigt.
Herbert Bergmann-Hannak arbeitete gerne mit eigenwilligen Mitteln wie Kugelschreiber und Filzstift auf unkonventionellen Malgründen wie alten Rechnungen. Seine Bilder gegen Krieg und Militarismus, zu Religionen oder Theaterstücken beruhen auf einer anarchistischen Lebensauffassung und bestechen durch folkloristische Farbigkeit. ...
Dr. Simone Tippach-Schneider